Schaltzentrale Gehirn

Alles, was in unserem Körper passiert, wird ständig vom Gehirn kontrolliert und gesteuert.

Unser Gehirn arbeitet wie eine Schaltzentrale. Es ist ständig informiert über alles, was um uns (über die 5 Sinne) und in uns (über die Propriozeption ...) vor sich geht.

Das Gehirn analysiert und bearbeitet all diese Informationen, indem es sie mit allen bis dahin gespeicherten Daten vergleicht. Daraufhin löst es die bestmögliche Reaktion oder das erfahrungsgemäß beste Verhalten, wobei das Gehirn einzig und allein immer nur darum bemüht ist, uns und unsere Art am Leben zu erhalten.

Buchhinweis:
Antonio R. Damasio (Professor der Neurologie in Iowa, USA), „Descartes Irrtum“.
In diesem Buch (besonders im 2. Teil des Buches) beschreibt Damasio diese Vorgänge rein wissenschaftlich - aber auch für den interessierten Laien absolut verständlich.

Beispiel:
In einem unachtsamen Moment schicke ich mich an, die Straße zu überqueren. Der Bus, den ich nicht auf mich zukommen gesehen habe, hupt energisch und ich mache tunlichst einen Satz, um nicht von dem Bus überfahren zu werden.

Falls ich erst gerade einen Fuß auf die Fahrbahn gesetzt habe, mache ich einen ganz schnellen Rückzieher und rette mich zurück auf den Bürgersteig. Habe ich aber schon etwa die Hälfte der Fahrbahn überquert, wenn der Bus hupt, dann mache ich ganz schnell einen Spurt oder einen Sprung nach vorne, um dem Bus aus dem Weg zu gehen.
In dieser Situation habe ich keine Zeit zu überlegen, welcher Weg der kürzere ist, oder welche Bewegung die günstigere ist. Das Gehirn entscheidet selbständig und automatisch, welche Bewegung mir am ehesten das Überleben sichert.
Nach dem Motto „wir haben ein Problem“ sucht der Computer alle möglichen gespeicherten Daten, Informationen und Programme nach einer Lösung für die akute Stresssituation ab.

In unserem Gehirn sind hauptsächlich drei Sorten von Daten gespeichert, die er in diesem Stressmoment abruft:

  1. Alles, was wir selbst erlebt haben, von der Geburt bis heute.
    Alle Erfahrungen und Erlebnisse mit den dazu gehörigen Emotionen und Wahrnehmungen sind im „Archiv“ unseres Gehirns gespeichert und jederzeit abrufbar. Sobald die Stresssituation in der Gegenwart an ein Erlebnis aus der Vergangenheit erinnert, verhält man sich automatisch so, wie es einem die Vergangenheit diktiert, das Gehirn löst die bestmögliche Reaktion oder das erfahrungsgemäß beste Verhalten aus.
    Beispiel:
    An einer bestimmten Kreuzung habe ich vor zehn Jahren einen Unfall verursacht, weil ich die Rechtsvorfahrt nicht beachtet habe. Noch heute jedes Mal, wenn ich an diese Kreuzung komme, schaue ich dreimal nach rechts, um mich zu vergewissern, dass von dort kein Auto kommt. Das ist absolut logisch, aber auf keinen Fall intelligent, weil – statistisch gesehen – die Chancen, dass ich an derselben Kreuzung auf dieselbe Art und Weise noch einmal einen Unfall haben könnte, sehr gering sind. Eine intelligente Reaktion darauf wäre gewesen, dass ich in Zukunft auch an anderen Kreuzungen auf die Rechtsvorfahrt achte, aber da fahre ich genau so unvorsichtig wie vorher, mein Gehirn reagiert ja dort nicht.
    Diese vorsichtige Verhaltensweise ist eine vollkommen bewusste Reaktion. Wenn ich mich an dieser Kreuzung dreifach vergewissere, weiß ich ganz genau, weshalb ich das tue. Unser Gehirn funktioniert aber ständig auf diese Art und Weise und meistens ohne dass wir es bewusst merken, ohne dass wir unser Verhalten bewusst mit einem ursächlichen Erlebnis in Verbindung bringen.
  2. Alles, was gewesen ist, als wir im Bauch unserer Mutter waren, gezeugt, getragen und geboren wurden, ist lückenlos in unserem Gehirn (und unseren Zellen) festgehalten. Die hormonalen Reaktionen der Mutter in gewissen Stresssituationen prägen das Kind.
    Wenn einer der Eltern einen Stress erlebt, „merkt sich“ das Kind besonders, wie die Eltern mit diesem Stress umgehen. Daraus folgt, dass alles Negative während der Schwangerschaft - und besonders die Art und Weise wie es erlebt wird - sehr bedeutsam für das spätere Stressverhalten des Menschen ist, der da heranwächst.
    Die Erklärung dafür: Jeder emotionale Zustand der Mutter wird von einem gewissen „Hormon-Cocktail“ begleitet, über die Nabelschnur gelangen diese Hormone in den Kreislauf des sich entwickelnden Babys. Es teilt das emotionale Erleben der Mutter und wird so geprägt, ja konditioniert, in seinem späteren Leben in ähnlichen Situationen genauso zu reagieren wie es seine Mutter ihm während der Schwangerschaft „vorgelebt“ hat. (Bruce LIPTON, "Intelligente Zellen")
    Beispiel:
    Klara (4) legte im Kindergarten ein sonderbares Verhalten an den Tag, sie wollte nicht mit den anderen mittanzen und mitsingen, sie stellte sich abseits. Die Mutter sagte mir, dass sie das nicht verstehe, da Klara zu Hause den ganzen Tag vor sich hin singe, wenn sie z.B. mit ihren Puppen spiele.
    Klara hat ihr Verhalten ganz geändert, nachdem ihr Kode gefunden und korrigiert wurde. Während der Schwangerschaft hatte sie Folgendes registriert:
    Klaras Vater ist Fernfahrer und verbringt den ganzen Tag allein in seinem Sattelschlepper. Das Radio ist meistens eingeschaltet und sobald er das gespielte Lied kennt – und er kennt fast alle, da das Radio ständig läuft – singt er lauthals mit. So singt er praktisch den ganzen Tag vor sich hin. Er hat dann natürlich Tendenz, das auch zu Hause zu tun, aber das verträgt seine Frau nicht und sagt bei solcher Gelegenheit: „Du würdest besser den Mund halten, lass du die mal lieber alleine singen, du ‚verschandelierst’ ja das ganze Lied…“. Sie wollte lieber den Originalgesang hören.
    Klara hielt sich später an diese Regel: Wenn sie alleine war, sang sie den ganzen Tag (wie der Vater), aber in Gegenwart anderer hielt sie besser den Mund.
    Wir erklären Klara, dass nicht sie es war, auf die sich diese Bemerkung bezog, sondern ihr Vater, und dass sie, Klara, sehr wohl die anderen beim Singen begleiten durfte, was sie auch gleich am nächsten Tag tat.
  3. Alles, was unsere Vorfahren erlebt haben, bevor wir gezeugt wurden, steht unserem Gehirn ebenfalls zur Verfügung. Wir „lernen“ aus ihren Erfahrungen. Manchmal sind wir aber auch - aus einer gewissen Familienloyalität heraus - unbewusst dazu „verpflichtet“, Dinge in unserem Leben zu wiederholen.
    Beispiel:
    Ein Junge lügt immer und gibt vor allen Dingen nicht zu, was er angestellt hat, auch wenn die Mutter ihm versichert, dass sie ihn nicht bestrafen wird, wenn er nur die Wahrheit sagt. Er streitet aber weiterhin alles ab, obschon alle (er auch) wissen, dass er es war.
    Man versteht sehr schnell sein Verhalten, wenn man erfährt, dass seinem Großvater im 2. Weltkrieg in einem Verhör derart zugesetzt worden war, dass er letztendlich geredet hatte. Anschließend hatte man ihn erschossen, obschon man ihm zugesichert hatte, ihn am Leben zu lassen, wenn er gestehe und die Namen seiner Kameraden nenne…
    Dieser lebenserhaltende Verhaltenskode („solange man nichts zugibt, bleibt man am Leben, Versprechungen darf man keine Bedeutung zukommen lassen“) wird gelöscht, indem man dem Jungen erklärt, dass das, was seinem Großvater passiert ist, ihm niemals passieren wird, d.h. dass wir nicht mehr im Krieg sind, dass niemand ihn erschießen wird, wenn er zugibt, was er angestellt hat. Die Mutter bestätigt sofort, dass sie ihn wirklich nicht bestraft, wenn er die Wahrheit sagt. Der Junge versteht, verspürt große Erleichterung und ändert sein Verhalten.
    (Er kannte die Geschichte seines Großvaters bis dahin nicht.)

Es versteht sich von selbst, dass gewisse Verhaltensmuster in Stresssituationen, in Not- oder Gefahrensituationen, sich in unserer Evolutionsgeschichte seit Jahrtausenden bewährt haben und bei Bedarf zum Tragen kommen.

Schlussfolgerung:

Wenn wir also ein Symptom (gleich welcher Art) vor uns haben, müssen wir uns immer die Frage stellen, inwiefern dieses Symptom das Überleben des Individuums (oder seiner Art) zu sichern sucht, auf welche Stresssituation (oder drastische Veränderung des Lebensraumes) im Leben des Individuums genau dieses Symptom die biologische Antwort ist.

Es gilt, die Logik, die sich hinter dem Symptom verbirgt, zu erkennen.
Die Logik des Lebens, die „BIO-LOGIK“.

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