Psychotherapeutische Methode

Die großen wissenschaftlichen Autoren erklären uns heute, dass das Problem, das den Patienten in die Therapie treibt, notwendigerweise in seiner persönlichen Art im Leben zu stehen verwurzelt ist.. Was versteht man unter dieser „persönlichen Art im Leben zu stehen“? Es ist das, was es uns erlaubt, jemanden wiederzuerkennen, sogar schon von weitem, an seiner Gangart, seiner Art und Weise zu essen, sich anzuziehen, zu sprechen...

Wenn der Patient diese persönliche Art und Weise im Leben zu stehen entwickelt hat, heißt das, dass sie unter allen möglichen Verhaltensweisen, die er in der Kindheit erprobt hat, sich als beste und erforlgreichste herausgestellt hat. Erfogreich in welchem Sinne? Zunächst war der Erfolg, zu überleben, sich auf diese Weise aus der Affäre zu ziehen. Tatsächlich ist es für jedes junge Säugetier für das Überleben biologisch unerlässlich, dass seine Eltern (zunächst besonders seine Mutter) sich um es kümmern. Es wird also an dieser Strategie festhalten, die ihm dieses physiologische Wohlbefinden eingebracht hat, dieses Vergnügen so zu überleben. Von dem Moment an wird es sich später immer wieder so verhalten, wenn es Zuwendung bekommen möchte. Dieses anfängliche Verhalten wird er also ständig wiederholen und es wird so zu seinem beständigen invarianten Verhaltensmuster. Auf der Basis dieses Verhaltensmusters wird sich eine eventuelle spätere körperliche Erkrankung entwickeln. Es kommt zu einem Problem, wenn die gegenwärtigen Lebensbedingungen des Erwachsenen in keinster Weise mehr mit den Bedingungen seiner Kindheit übereinstimmen, wenn sein Denk- und Verhaltensmuster nun unangepasst ist und zu groBen körperlichen und/oder psychischen Problemen führt, die den Patienten eine Therapie beginnen lassen. Therapie, die also darin bestehen wird, dieses Verhaltensmuster zu bearbeiten und (teilweise) zu verändern.

Wenn jemand in die Therapie kommt, tut er das, weil er etwas in seinem Verhalten verändern möchte, da er mit Konsequenzen seines Verhaltens konfrontiert ist, die er als sehr negativ empfindet. Wenn er trotz aller bewussten Nachteile und Unannehmlichkeiten, über die er sich beklagt, diese Verhaltensweise (manchmal über viele Jahre) beibehält, so ist das, weil es einfach stärker ist als er. Über den puren Willen sich zu ändern erreicht er gar nichts.

Er wird sehr schnell entdecken, dass er ein Vergnügen daran hat, zumindest die Wiederholung des biologischen Ur-Vergnügens, das er hatte, es auf diese Weise geschafft zu haben, zu überleben.

Es gibt aber noch eine andere Ebene von Vergnügen. Im Laufe der Evolution haben die Säugetiere die Fähigkeit entwickelt, sich ein mentales Bild zu konstruieren. Dies erlaubt es dem Individuum, sich zu erklären, was es erlebt, und sich ein kohärentes (logisches) Bild seiner Erfahrung der Welt zu machen.

Das invariante Verhaltensmuster des Patienten ist also seine erste Erfahrung der Welt, die er kohärent macht. Dieses mentale Bild, diese Sicht der Welt, erlaubt ihm auch, sich in die Zukunft zu projizieren. Dieses Bild zeigt ihm auf, welches Verhalten in der Zukunft sinnvoll ist, von welchem „großen Traum“ phantasiert. Damit das Ganze unantastbar bleibt, damit er sicher sein kann, damit weiterzumachen, muss dieses Verhalten mit einem Vergnügen verbunden werden. Seine Weltansicht und die Rolle, die er in dieser Welt spielt, muss an ein Vergnügen gekoppelt werden.

Der Patient kann sich seiner Weltansicht nur bewusst werden, wenn er sie so deformiert, dass sie sozial akzeptiert wird. Zu diesem Zweck wird er diese fürchterlichen und schmutzigen Vergnügen, die mit seinem Verhaltensmuster und seinem „großen Traum“ einhergehen, ins Unterbewusstsein verbannen. Die Gesellschaft würde solche Vergnügen verurteilen. Wenn er mit Hilfe des Therapeuten sich seiner Vergnügen und ihrer Ursachen bewusst wird, sind sie nicht mehr so schlimm, sie verlieren an Gewicht und er kann sie sich mehr und mehr eingestehen und fühlen. Er sieht sie dann als eine notwendige Konstruktion und er kann sich jetzt womöglich entscheiden, sich ein anderes Weltbild zu konstruieren, das er dann mit neuen „positiven“ Vergnügen verknüpft.

Wir finden die Bestätigungen für das Verhaltensmuster des Patienten in seiner Kindheit, in der Zeit der Prägung durch die Eltern (vor der Geburt) und in der Familiengeschichte. Es war schon immer so.

Bemerkung:
Es gibt verschiedene Mechanismen der Prägung. Die Spiegelneurone, die hormonelle Prägung während der Schwangerschaft, die Quantenphysikalischen Gesetze...

Dieses mentale Bild, das die Grundlage des Problems des Patienten bildet, kann soweit verändert werden, dass sich ein verändertes Verhaltensmuster ergibt. Wie kann er zunächst sein altes Weltbild destrukturieren?

Zwei Bedingungen sind notwendig. Zunächst muss er sich bewusst werden (und spüren), dass er geradewegs und unausweichlich gegen die Wand rennt, dass es viel schlimmer werden wird als er es sich je vorgestellt hat und in einer Katstrophe enden wird, wenn er so weitermacht wie bisher. Er muss sein Vergnügen so heftig spüren, spüren wie weit er bereit wäre zu gehen. Ja, er muss angeekelt sein von seinem eigenen Vergnügen, um es loslassen zu können und etwas zu ändern. In dem Moment hat er eine Wahl zwischen zwei verschiedenen Weltbildern, zwischen zwei mentalen Konstruktionen und zwischen zwei verschiedenen Vergnügen.

Letztendlich (d.h. am Ende der Therapie, auf keinen Fall am Anfang) wird es auch für den Patienten darum gehen, über das hinwegzukommen, was er erlebt hat und sich an logischem Weltbild konstruieren musste. Dann kann er sich nun selbst das geben, was er immer gebraucht hat. Indem er sich auf diese höhere (spirituelle) Ebene begibt, kann er Frieden mit sich selbst schließen. Seine Kindheit und seine Familiengeschichte berühren und bremsen ihn dann einfach nicht mehr.

Der Patient wird allerdings darauf vorbereitet, dass die Versuchung kommen wird, wieder seinem alten Vergnügen zu verfallen. Wenn man laufen lernt, geht das nicht ohne hinzufallen. Das ist aber nicht schlimm, wenn man weiß, dass das dazu gehört und immer seltener noch geschehen wird.